Vom 6. Bis 12. Mai finden in Pilsen die Europameisterschaften im Equipped Powerlifting statt. Die Athleten dürfen sich auf eine professionell ausgerichtete Veranstaltung freuen. Das tschechische Team richtet nun schon seit Jahren in diesen Räumlichkeiten internationale Wettkämpfe aus und verbessert sich dabei stets. Es ist immer wieder ein Genuss dort an den Wettkämpfen teilzunehmen oder diese zu verfolgen.

Wie man im offiziellen Verbandsorgan www.kraftdreikaempfer.de verfolgen konnte, wird ein Heber (Tobias Persen) leider bedingt durch eine Rückenverletzung nicht an den Start gehen können.

Da die Europameisterschaften des Nachwuchses und der Aktiven nun kombiniert stattfinden, kommen wir auf eine gemeinsame Starterzahl von rund 260 Sportlern.

Die deutsche Delegation wird durch den erfahrenen Coach Dietmar Wolf angeführt, der seit Januar 2018 im Amt ist. Unterstützt wird er durch Sebastian Kaindl und Marc Polster.

Als Kampfrichter begleiten das Team Rosina Poster und Werner Häfner. Rosina ist seit der WM 2017 offiziell als internationale IPF Kampfrichterin akkreditiert – Werner übt dieses Amt schon seit Jahren aus und hat demnach bereits sehr viel Erfahrung auf der internationalen Bühne.

Das Nachwuchsteam des BVDK ist äußerst minimalistisch aufgestellt. So gibt es nur einen Jugendlichen und eine Juniorin, die unsere Nationalfarben auf der internationalen Bühne vertreten werden. Beide feiern dort ihr internationales Debüt.

Bei den Subjuniors tritt Patrick Lösel in der Klasse bis 93kg an. In diesem Jahr hat er schon einige Wettkämpfe bestritten, demnach sollte ziemlich klar planbar sein, welche Leistungen er auf die Bühne bringen kann. Momentan ist er 2,5kg hinter dem Silberrang gelistet. Da die Jugend aber durch die in diesem Alter noch sprunghaften Leistungszuwächse schwer berechenbar sind, kann man hier noch keine Prognose über die Platzierung machen.

Johanna Hübenthal vertritt den weiblichen Nachwuchs in der Klasse bis 84kg bei den Juniorinnen. Sie ist ebenfalls auf Platz drei gelistet. Zur DM zeigte sie, dass sie noch lange nicht alles aus sich herausgeholt hat. Ob ein besserer Platz im Wettkampf zu erzielen ist als das jetzige Melderesultat, wird daher sehr spannend zu verfolgen sein. In jedem Fall hätte ein Wechsel in die SHW-Klasse den sicheren EM-Titel bedeutet.

Bei den aktiven Damen gehen drei Athletinnen an den Start. Anja Schreiber tritt in der bis 47kg an. Sie ist momentan auf dem dritten Platz mit ihrer Leistung gelistet. Hier wird es wichtig sein, möglichst viele gültige Versuche in die Wertung zu bringen, um im Medaillenrang zu bleiben. Die Plätze zwei bis sieben sind nämlich leistungsmäßig sehr dicht beieinander. Hier werden nur wenige Kilos die Platzierungen ausmachen.

In der Klasse bis 63kg greift die frisch vermählte Rosina Polster zum Eisen. Sie befindet sich auf dem fünften Meldeplatz und kann sich durchaus an einem guten Tag noch auf den vierten Platz vorarbeiten.

In der Klasse bis 72kg geht es für Cathrin Silberzahn zur Sache. Sie ist jemand, der sich aus den sozialen Medien mit ihrem Training heraushält. Zudem trat sie in diesem Jahr nicht auf der deutschen Meisterschaft an. Da ich sie seit der WM nicht mehr trainiere, kann ich gar keine Aussage über ihren Leistungsstand machen und lasse mich überraschen, was Cathrin auf die Bühne zaubern wird. Sie hat in jedem Fall noch ein großes Potenzial in dieser Klasse, welches sie noch nicht annährend ausschöpfen konnte. Momentan ist sie auf dem fünften von zehn Plätzen gelistet.

Bei den Herren ist unser leichtester Heber Max Lochschmidt. In der Klasse bis 83kg ist er seit der letzten WM der deutsche Rekordhalter. Auf Platz 5 ist Max gelistet und hat den norwegischen Kim-Raino vor sich. Max hat das Potenzial Kim einzuholen – jedoch hat sich Max mehrfach im Verlauf der Vorbereitung verletzt – teilweise im Training, teilweise aber auch im Urlaub – wie das manchmal so ist. Verletzungen können leider immer auftreten. Zunächst einmal war es wichtig Max ein wenig im Training auszubremsen. Kurz nach der letzten Einschränkung fand bereits der erste Kaderlehrgang statt – hier wurden ziemlich hohe Lasten bewegt. Da ich nicht Vorort sein durfte, war es wichtig, dass Max sich auf sein Körpergefühl verlässt. Im Training mussten wir einiges umstellen, um dennoch um die Verletzung drum herum trainieren zu können. Durch seinen Fleiß (viele diverse zeitraubende Übungen waren notwendig) und sein Vertrauen in mich in Bezug auf Sportverletzungen, konnten wir die restliche Vorbereitung so gestalten, dass er (sofern alles gut geht) ohne Schmerzen in den Wettkampf gehen kann. Er ist sehr motiviert und bin mir sicher, dass er alles geben wird international neue Bestleistungen zu erzielen. Durch unseren ehemaligen Verbandsarzt gibt es in jedem Fall keine Einwände für einen Start bei der EM.

In der Klasse bis 93kg tritt Phillip Schweda an, da Sascha Stendebach die EM leider abgesagt hat. Für Sascha steht sein Verein (Stichwort Bundesligafinale) an oberster Stelle und nicht der mögliche EM Titel. Eine Entscheidung, die einige nicht verstehen können, aber respektieren sollten. Hut ab vor so viel Teamgeist. „Schwedor“ ist auf Platz acht im stark besetzten Feld (18 TN) gelistet. Bei einem guten Verlauf ist sicherlich der ein oder vielleicht auch andere Platz nach oben möglich.

In der Klasse bis 105kg tritt Martin Lange an. Nachdem Martin mit dem neuen Bundestrainer das Abnehmen für die Klasse bis 105kg besprochen hat, haben Martin und ich unsere Zusammenarbeit niedergelegt. Diese Entscheidung des Wechsel in die niedrigere Klasse war sportlich betrachtet sehr fair, da es drei gute Athleten in der Klasse bis 120kg gibt/gab und somit alle drei Sportler an den Start gehen können bei dieser EM. Ich finde aber den Zeitraum von der DM bis zur EM zu kurz und habe Martin daher gebeten, sich ab jenem Zeitpunkt vom neuen BT trainieren zu lassen. Sicherlich wird Martin in der Klasse bis 105kg bis zur Weltmeisterschaft wieder auf ein starkes Niveau kommen – er ist ein sehr ambitionierter Sportler und schindet sich wahrhaft im Training. Ich halte dennoch den Wechsel in die Klasse bis 105kg für eine nicht weitreichend genug gedachte Entscheidung. Die 105er war im letzten Jahr auf der WM und ist auch in diesem Jahr auf der EM deutlich stärker besetzt als die 120er. Da die Sportler nicht mal eben fix in eine neue Gewichtsklasse hochwachsen, wird sich an dieser Situation sicherlich die nächsten zwei Jahre nicht viel ändern. Unter 1000kg wird zur WM nicht viel zu holen sein. Wie es auch sei, die Weichen sind gestellt und es gibt zur EM erst einmal kein zurück mehr. Platz sechs von zehn sagt die Meldeliste. Ich drücke die Daumen, dass Martin einen tollen Wettkampf auf die Bühne bringt und sich für das gefahrene Kaloriendefizit belohnen kann. In jedem Fall werden die Haare wieder on point sitzen, denn Windschnittigkeit sollte bei der Kniebeuge nicht unterschätzt werden.

In der Klasse bis 120kg treten zwei starke Männer ans Eisen – Christoph Seelfeld und Dominik Pahl. Mustersportler Dominik ist seit 2012 auf der internationalen Bühne unterwegs – Christoph seit dem vergangenen Jahr. Christoph konnte sich durch die geile Arbeit mit seinem Heimtrainer Matthias Scholz in diesem Jahr mit satten 950kg für den A-Kader qualifizieren. Er ist auf Platz sieben von neun gelistet. Dominik scharrt mit der Hufe und will endlich die 1000kg in die Wertung bringen. Christoph traue ich auch gute 970-980kg zu. Entscheidend wird für beide Sportler die Betreuung sein – das Shirt und die Anzüge müssen perfekt sitzen, die Bandagen müssen ordentlich „Bums“ haben und der Kopf muss stark sein. Bei einem guten Wettkampfverlauf kann für beide die ein oder andere Medaille greifbar werden. Die Kraftwerte sind auf der Höhe und müssen nun auf die Bühne gezaubert werden.

Bei den Superschwergewichten tritt Tobias Zinserling an. Er ist momentan auf dem zehnten Platz von zehn Teilnehmern gelistet. Ich bin gespannt, ob er sich auf das Kreuzheben konzentrieren wird oder ob er sich im Total versuchen wird hochzuarbeiten – niemand will die rote Laterne sein – also heißt es sicher: Gas geben!!! 1000kg auf der internationalen Bühne wären doch etwas.

Ich wünsche allen Sportlern einen verletzungsfreien Wettkampf und größtmögliche Erfolge. Den Betreuern wünsche ich ein glückliches Händchen bei der Versuchswahl und Betreuung des Nationalteams – mögen in der Nationenwertung möglichst gute Plätze errungen werden.

Kräftige Grüße

Euer Headcoach