Ich weiß dass sich Matthias nicht gerne mit Blumen schmücken lässt, doch: No Risk No Fun. Der folgende Beitrag ist sehr persönlich für mich und der erste richtige Text den ich je über einen meiner bisherigen Wettkämpfe geschrieben habe. Viel Spaß beim Lesen, danke an Franceso, der mir auf seinem Blog die Plattform dafür bietet und dieser Beitrag nicht zwischen Facebook Beiträgen von Katzen untergeht. – Marie Hauschild

„Mein Erster Bombout oder auch, eine Liebeserklärung an Matthias Scholz“

Um diesem aufreißerischem Titel gerecht zu werden müssen wir kurz ein Jahr zurück spulen. 2017 – Franceso, damaliger Bundestrainer, zufällig der beste Freund meines Coaches, ermöglicht es mir durch einen dummen Zufall (die Zusammenlegung der EM Jug/Jun und EM Open 2017) ein Ticket für die EM im Mai zu ergattern. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich ca. 4 Monate von Matthias trainiert. Ich war gerade erst warm geworden mit dem Equipment, dass ich bis 2016 nicht einmal, in meiner fast 10 jährigen Wettkampferfahrung, auch nur angeguckt hatte. Ich stand also kurz vor meinem ersten Equipped KDK (der DM Equ KDK 2017) und wollte nichts mehr als endlich Teil des internationalen Teams sein. Die damaligen Spannungen zwischen Vorstand und Bundestrainer waren bereits zu diesem Zeitpunkt spürbar für Team Germany. Ich habe nicht umsonst folgenden Satz auf Francescos Abschiedsgeschenk, vom Team an Ihn, geschrieben: „Ihr habt immer gesagt, dass es eigentlich kein Team mehr gibt, ich bin froh zu wissen wer zu meinem Team gehört.“ Ich bin auch froh im letzten Jahr internationale Luft geschnuppert zu haben und die EM und WM JJ 2017 werden nicht die letzten internationalen Wettkämpfe in der IPF für mich gewesen sein. Die Zusammenarbeit mit Francesco, nicht nur als Matzes bessere Hälfte, sondern in erster Linie als Bundestrainer, habe ich sehr zu schätzen gewusst. Und bin sicher, dass es vielen Athleten, die mit ihrem Heimtrainer und Francesco als Bundestrainer, eng zusammen gearbeitet haben, dies genauso sehen werden. Cesco hat nie seine Position ausgenutzt bzw. hat, so glaube ich mutmaßen zu können, die Meinung vertreten: „Willst du in diesem Sport erfolgreich sein, dann musst du und ganz allein du, dich selbst in den Arsch treten können“. Er hat das jedenfalls für keinen von uns übernommen. Aus diesem Grund gibt es heute Athleten wie Dominic Pahl, die seit Jahren von ihm trainiert werden. Sonja-Stefanie Krüger, die ihren eigenen Weg geht und ganz oben mitspielen kann, auch ohne Cescos Unterstützung. Der ihr jedoch, so bin ich mir sicher, immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Oder junge Talente wie Sandra Augustiniok, die von ihrem Heimtrainer/Vater trainiert werden, aber sicherlich immer offen sind für Ratschläge des Bundestrainers. Heute weiß ich es umso mehr zu schätzen in enger Zusammenarbeit mit Matze und Cesco meine ersten internationalen Erfahrungen gemacht zu haben. Ich hatte eine geile EM und eine weniger geile WM 2017, beide Erfahrungen möchte ich nicht missen. Diese Wettkämpfe haben mir aber eins klar gemacht: dass für mich keine Powerlifting-Bühne der Welt die Menschen an meiner Seite in diesem Sport ersetzen kann. Ich bin mir heute umso sicherer, dass die WM für mich nur nicht so lief wie erhofft, weil ich meine 150kg schwere und gefühlt 2m große, bessere Hälfte nicht an meiner Seite hatte. Auch wenn Cesco das Volumen versucht hat mit der Hilfe von Heiko Krüger zu kompensieren. Außerdem bin ich hundertprozentig davon überzeugt, dass Matthias Scholz einer des besten Coaches ist, die KDK Deutschland zu bieten hat. Das kann ich heute mit Gewissheit sagen, dabei werde ich gerade einmal etwa 17 Monate von Ihm trainiert und das halte ich für eine Trainer-Athlet-Zusammenarbeit für keinen besonders langen Zeitraum. Wie dem auch sei, Matthias und ich scheinen nicht nur, menschlich, charakterlich und sportlich gesehen auf einer Welle zu schwimmen. Wir scheinen für den Sport und für den Verband, wenn auch im Moment eher auf Länderebene, die selben Ziele vor Augen zu haben, ohne je explizit darüber zu sprechen. Wir sind beide bereit für die Sache selbst unser scheinbar letztes Hemd zu geben und bleiben dabei immer fair anderen gegenüber, wir versuchen es zumindest. Umso mehr ärgert es uns wohl, bei sowas manchmal auch auf die Fresse zu fallen. Nämlich immer dann, wenn deine Bemühungen auf scheinbar taube Ohren stoßen und es einfach nur kräftezehrend ist diese kontinuierlich anzustreben. Ich hatte in der letzten Woche solche Bemühungen dem Kader gegenüber, weil ich ein Problem gesehen habe und versucht habe mich für Andere einzusetzen. Leider hat die Gegenseite in dem vorhandenem Problem keines gesehen und ich habe für mich die Konsequenz gezogen meine Bemühungen dahingegen, zu diesem Zeitpunkt, erstmal einzustellen. Ich werde für mich und den Kader in Zukunft versuchen das Beste in Zusammenarbeit mit Dietmar Wolf, Bundestrainer im BVDK seit Jan 2018, raus zu holen. Es ist Schade, dass wir künftig auf Athleten wie Tamara Thomsen in unseren Reihen verzichten müssen. Ich bin froh in diesem Jahr eine solche Entscheidung, auf Grund meines C-Kader Status, für meine leistungssportliche Karriere, vor erst, noch nicht treffen zu müssen und werde jetzt wieder darin über gehen mich auf meine Leistungen und mein Engagement, auf Länderebene, zu fokussieren.

Und nun zum Wettkampf.

Im letzten Wettkampf, der Deutschen Meisterschaften Kraftdreikampf mit Equipment 2018, ist uns unsere nicht vorhandene Kommunikation, die ich bis heute zwischen Matthias und mir sehr schätze und manchmal auch beschmunzele, über Ziele, Zahlen und ich denke vor allem Meinungen und Wünsche für den jeweils Anderen, zum ersten mal gehörig um die Ohren geflogen. Aber Who Cares, wir haben das Beste draus gemacht und es gekonnt in extremen Sarkasmus über die Gesamtsituation verdrängt. Ich bin trotz alle dem zufrieden mit meiner Leistung und dem vorangegangen Training, ich hoffe du auch, das ist für mich das einzige was zählt.

Nun kommen wir zum eigentlichen Wettkampf. Die Vorbereitung auf die DM am vergangenen Wochenende lief eigentlich viel versprechend, außer im Kreuzheben, ironischerweise. Ich hatte fest mit den 200 in der Kniebeuge gerechnet, die wir im nach hinein auch für eine gültige Wettkampftiefe in Hauschild-Manier gebraucht hätten. Den letzten Equipment Einheiten zu folge, wussten wir auch schon vorher, das 195kg, mit dem Anzug Setup, nicht oder bzw knapp für eine gültige Tiefe benötigt werden. Somit war ich vom bisherigen Wettkampfverlauf nach meinem dritten Versuch in der Kniebeuge nicht überrascht.

Mental gehe ich mit so einem Debakel wie folgt um: Es ist nicht zielführend für den gesamten Wettkampfverlauf, im Wettkampf direkt, mit einer unzufriedenen Einstellung in die nächste Disziplin zu gehen. Ich weiß nicht wie ich mit Fehlversuchen, weil zu schwer, in diesem Fall umgegangen wäre. Vor dieser Überlegung stand ich schon seit dem mich Matze trainiert nicht mehr. Mein Scheitern in der Kniebeuge im Wettkampf und im Training ist so oft passiert wie ein Tennisball Finger hat, nämlich niemals. Nagut einmal, aber das war eigene Blödheit. Kommen wir nun zur Wertung der Kniebeugen an sich. 185kg – deutlich zu flach, alle im Saal dachten sich wahrscheinlich, yay, was ist denn mit Marie los. Mein Papa, hatte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon seinen ersten Kreislaufkollapse. Aber ist ja nicht so, dass es Franceso nicht prophezeit hätte. Er freut sich sicher, an dieser Stelle nochmal extra erwähnt zu werden. 190kg – ich hab mir echt Mühe gegeben, tiefer ging nicht, Freunde. 195kg – hätte man 2:1 gültig geben können, aber bei einem Wettkampf der so gesehen quasi für mich die Bedeutung eines Maximalkraft Tests hatte, fand ich es richtig von Matze, hier keinen Einspruch zu erheben. Bzw habe ich, was den Einspruch angeht, auch eine andere Spekulation, aber da brauche ich mit Matze einen Abend mit viel Cola Zero um das nochmal auf den Tisch zu bringen. Im Zuge dessen hat sich meine beste Freundin, Franzi, sicher sehr über eine Bronze-Medaille gefreut, die sie gebührend mit mir teilen wird. Ja, sie hat in der Halle jeden gefragt ob er zufällig eine Flex mit hätte. Ja wir sind Mädels und ja, wir wissen was eine Flex ist. – People Before Medals.

Wie gehe ich mit solchen Wertungen außerdem um? Als Athlet ist mir eine ehrliche Bewertung meiner Versuche im Wettkampf sehr wichtig. Eine geschenkte Beuge in der Tiefe bringt mir, zumindest auf zum Beispiel einer LM, DM etc, persönlich nichts in meiner weiteren Entwicklung. Deshalb kann ich mit solchen knappen Wertungen ebenfalls umgehen. Und freue mich über einen Janos der nachdem Wettkampf auf mich zukommt und zu meinem letzten Versuch im Kreuzheben sagt: „Den hab ich dir nicht geschenkt“, tausendmal mehr, als über eine geschenkte, vermeintliche Tiefe… An solchen Wochenende gibt es manchmal viel Diskussion über Wertungen einzelner Kampfrichter. Aber wir sollten nicht vergessen, dass das für die KaRis auch nur ein Hobby ist und sie sich genauso Zeit für Wettkämpfe nehmen wollen/müssen(?!) wie wir Athleten für unsere Training. Und zuallererst sollte man, wenn man der Sache neutral gestimmt ist, darüber nach denken, ob nicht wirklich doch, bei dem eigenen Versuch, irgendwas nicht hingehauen hat und für sich selbst versuchen daraus zu lernen. Von daher Danke an alle KaRis rundum Andreas Ehliger. Auch wenn ich nach 10 Jahren immer noch nicht weiß, welche farbige Karte, was bedeuten soll. Aber meine Kampfrichter-Laufbahn ist sicher auch nur eine Frage der Zeit.

Bankdrücken – in der Vorbereitung hat mich diese Disziplin eigentlich am meisten Kraft gekostet. Auf Grund meines Gewichtsklassenwechsels war es schwer mit dem Low Cut um zugehen, dass mir zuvor, auf Wettkampf Körpergewicht mit -63kg, immer zu groß war. Wir hatten uns dann sehr kurzfristig in der vorletzten Vorbereitungswoche auf ein F6 verständigt und haben dort für mich saubere Versuche im Training abliefern können, 105kg wären das Minimum was ich nach der Kniebeuge hier erwartet hätte. Aber die sind mir im Wettkampf einfach noch nicht als neue Wettkampf-Bestleistung gegönnt gewesen. Dem zu Folge ging nur der erste von drei Versuchen mit 95kg in die Wertung.

Kreuzheben – zu diesem Zeitpunkt war ich eigentlich ziemlich bedient von der Gesamtsituation, da das Training hier unter anderem am schlechtesten lief. Wir hatten erst keinen Anzug der passt, dann haben wir mit einem Super Centurion und einem etwas zu großen Velocity geliebäugelt, aber so richtig nice war das alles nicht. Dann hatten wir zum Glück Einen, aber man ist das Ding eng, Matze hat mir aber auch fette Oberschenkel gezüchtet. (Grüße an Martin Lange, der schmunzelt sicher nicht nur an dieser Stelle über meine Wortwahl) Jetzt hat der neue Velocity jedenfalls zum Glück einen Wettkampf hinter sich und ich kann mit der gezeigten Leistung ein bisschen stolz auf meinen ersten Bombout sein. Auf Grund der Vorbereitung im Kreuzheben hätten mich bereits 170kg mehr als überrascht, als ich dann im Warm-Up noch nicht mal 125kg Raw vom Boden heben konnte und wir nur einen Aufwärmsatz im Anzug aus einer Erhöhung gezogen haben, bin ich eigentlich auch nicht mit vielen Erwartungen ins Kreuzheben gestartet. Hier hat mir meine positive Einstellung im Wettkampf aber wieder gezeigt, dass es das ist auf was es ankommt. Ich versuche an jeden Versuch so ran zugehen als ob die letzten garnicht existiert hätten. Da ich mich was die Meldung des Gewichts angeht, in jeder Beziehung, komplett auf Matze und seine Einschätzung der Gesamtsitutaion verlasse, wusste ich auch vor dem zweiten und dritten Versuch nicht was Er und Francesco haben auflegen lassen. Ich habe zwei Versuche gültig in die Wertung heben können und alle geforderten Lasten bewältigt. Meine Technik im Kreuzheben (Milla-Gorilla-Style) lässt nach wie vor zu wünschen übrig, sowohl raw als auch equipped, aber was soll’s. Die kg auf der Plattform sind entscheidend, an der Technik kann/sollte gearbeitet werden. 😉

Danke an die ganze Crew um Oleg, Yosef, Isa, Manu, Samira, Cesco, Matze, Sascha, Marius und zu guter Letzt, das Bayrische Stiefkind Franzi, meine bessere Hälfte in allen Fragen des Lebens. Wir schaffen es immer wieder, trotz allen Anstrengungen, die ein solches Wochenende mit sich bringt, für uns eine ordentliche Portion Spaß und Team-Gefühl aus der Sache raus zu holen. Wir haben alle eine super Leistung hingelegt und nach einer harten Wettkampfvorbereitung uns die verdiente Belohnung auf und neben der Plattform dafür abgeholt. Glückwunsch an dieser Stelle nochmal an meinen Massebruder Oleg, dem ich die dritte Beuge mehr als gegönnt habe – Powerlifting ist ein Marathon auch wenn wir uns noch an Kilometer 1,5 befinden. An dem Tag wo es bei dir Click macht, teile ich mir mit dir und Isa ein Eis. Denn wir drei haben gelernt, das macht wahre Freundschaft aus.

Ich bin jetzt 10 Jahre dabei, stehe hier und weiß noch nichtmal wie viele DM Titel ich habe, das ist traurig, doch die dreistellige Summe, die ganz zum Schluss dabei rauskommt, ist die Zahl auf die ich scharf bin. Und für 10 Jahre Wettkämpfe ist die noch ein bisschen traurig, aber die ersten 8 Jahre zählen ja auch nicht. Zumindest aus leistungssportlicher Sicht. Haha. Dran bleiben ist die Devise.

Die nächsten unmittelbaren Ziele?

Norm in der -72kg Klasse zum Bundesliga Endkampf. Dort drei gültige Beugen und eine saubere Bankdrückleistung abliefern, da geht mehr, aber es ist auch Bankdrücken, wie man so schön sagt.

Dieses Jahr Sonjas Junioren Rekord im Kreuzheben angreifen, auch wenn der dann wahrscheinlich nur bis zur WM hält und diese Aussicht für mich keinen persönlichen Anreiz bringt. Aber zu Medaillen, Pokalen, Relativsiegen und Rekorden habe ich eine ganz persönliche, eigene Meinung und könnte da jetzt auch nochmal drei Seiten drüber schreiben.

Mich selbst zu besiegen, mental und körperlich, steht für mich in erster Linie und immer an erster Stelle. Egal auf welcher Bohle dieser Welt.

Ich freue mich auf einen geilen Wettkampf bei der ersten Endkampf Teilnahme des SAV Erfurt e.V. in der Bundesliga im Kraftdreikampf. Jetzt gibt’s bestimmt Ärger vom Vereinsvorstand, weil ich einfach mal von einer Endkampf Teilnahme ausgehe, obwohl theoretisch noch alle Karten offen sind. Aber meine Punkte bei einem Start außer Konkurrenz wären wirklich mehr als verschenkt, gebt Gas Jungs, wir sind ein geiles Team!

Wer in diesem Text nicht fehlen sollte, ist die Person der ich all das, meine Einstellung zu gewissen Themen, wie Leistungen, Versuchswertungen und vor allem ehrenamtlichen Engagement zu verdanken habe. Das ist niemand geringeres als Carsten Hauschild. Danke, dass du mir unseren schönen Sport in jungen Jahren ohne Leistungsdruck und auf deine eigene Art nahe gebracht hast. Ohne dich stände ich nicht hier wo ich heute stehe, physisch und vor allem menschlich.

#powerliftingisfamily  Das soll’s erstmal gewesen sein, sportliche Grüße Marie Hauschild

Für Matze: Ich freue mich auf ein paar gemeinsame Wettkämpfe mit dir in diesem Jahr und werde jeden einzelnen und dessen Vorbereitung genießen, bevor wir „Powerlifting-Punks“ uns wohl zwangsläufig höheren Zielen unterordnen. Ich bin froh, dass Menschen wie du und viele Andere, die unter anderem schon in diesem Beitrag erwähnt wurden, zu meinem Team gehören. Danke für deine Zeit, dein Engagement dem Sport und den Athleten gegenüber und vor allem danke für deine Freundschaft! – dein fröhliches Mädchen

WE RISE BY
LIFTING OTHERS